EA 01/2011 – Abstracts

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EA 01/2011 – Abstracts2017-11-24T01:58:00+00:00

Existenzanalyse 1/2011

Zeitschrift ExistenzanalyseGrundlagen der Existenz als methodische Elemente für die Praxis

Alfried Längle

Stellungnahmen sind Realisierungen der personalen Freiheit des Menschen. Für das existenzanalytische Arbeiten ist ihre Erarbeitung daher grundlegend. Sie sind Ausgangspunkt für Handeln und Dialog, auch für den inneren Dialog, dem zentralen Element seelischer Gesundheit in der Existenzanalyse und daher für die Gesundung unentbehrlich.

Es werden hier drei unterschiedliche Einsatzbereiche der Stellungnahmen anhand von Beispielen besprochen: einmal als Selbstkonfrontation gegenüber Symptomen und inneren Kommentaren mit dem Ziel, den inneren Dialog auszubauen; personale Stellungnahme der Therapeuten zum Abbau von stärkeren Widerständen in der Therapie; und intime Stellungnahmen der Patienten zum eigenen Sein, exemplarisch aufgezeigt als Zugang bei einem Verbitterungssyndrom. Ergänzt werden die Ausführungen durch andere Vorgangsweisen bei Widerstandsphänomenen sowie einer tieferen Reflexion zur Akzeptanz des Daseins durch eine therapeutisch angeleitete intime Beziehungsaufnahme.

Schlüsselwörter: Existenz, Methoden, Stellungnahme, Selbstkonfrontation, innere Kommentare, Widerstand

Stürmisch mit sonnigen Abschnitten

Lilo Tutsch

Im vorliegenden Artikel wird anhand eines Beispiels aus der psychotherapeutischen Praxis der Autorin Symptomatik, theo-
retisches Verständnis und Diagnostik einer schweren Traumafolgestörung ausgeführt. Im Weiteren werden für die therapeutische Vorgehensweise bei schweren Traumafolgen spezifische, hilfreiche Methoden vorgestellt: Die „Innere Weisheit und das existentielle Ressourcenteam“, sowie die „Innere Landkarte“.

Schlüsselwörter: Dissoziative Identitätsstörung, Innere Weisheit, Innere Landkarte, nicht näher bezeichnete dissoziative Störung, Trauma und Identität

Die Imagination eines „sicheren Ortes“ in der Angsttherapie

David Nowrouzi

Die in traumatherapeutischen Verfahren standardmäßig angewendete Imaginationsübung des „inneren sicheren Ortes“ unter Einbeziehung so genannter „innerer Helfer“ wird unter exis-
tenzanalytischen Gesichtspunkten beleuchtet und hinsichtlich ihrer Anwendbarkeit in der existenzanalytischen Angstbehandlung betrachtet. Es wird deutlich, dass diese Vorgangsweise im Wesentlichen einer Imagination zur ersten personalen Grundmotivation entspricht und als ressourcenmobilisierende Technik gezielt in existenzanalytischer Gesprächsführung eingesetzt werden kann. Die Einbindung von „inneren Helfern“ verweist auf eine lange Tradition in der Existenzanalyse, die sich mit hilfreichen Urbildern beschäftigt und auf diese Weise die Person in ihrer Tiefe ansprechen will.

Schlüsselwörter: Angst, erste Grundmotivation, Imagination, innere Helfer, sicherer Ort

Angst als Symptom einer inneren Entfremdung

Alfried Längle

Die Anwendung der Methode der Personalen Positionsfindung (PP) anhand einer Prüfungsangst führt zunächst zu einer Eingrenzung der paralysierenden und generalisierenden Verhaltensweise. Danach wird in zwei Stufen eine tiefer sitzende innere Problematik deutlich, die als eigentliche Ursache die Angstauslösung verständlich macht. Ihre Bearbeitung bringt die Angst zum Verschwinden.

Schlüsselwörter: Personale Positionsfindung, Phobie, Angst

Sehnsucht – Wir schulden unseren Träumen noch Leben

Anton Nindl

Das Sehnen verweist auf das Andere, auf ein Versprechen, das uns ganz zum Leben kommen lässt, uns Erfüllung verheißt. Wir träumen davon, Begrenzungen zu überschreiten und Glückseligkeit zu erfahren. Sehnsucht ist als potentielle Existentialität auf ein Finden von Glück und Sinn angelegt. Was aber, wenn wir an Grenzen unserer Möglichkeiten stoßen, wenn wir uns in unserem Sehnen und Suchen verzehren und uns krank vor Sehnsucht fühlen? Vielleicht können wir im Trauern über das verpasste Glück die Träume in uns entdecken, die darauf warten gelebt zu werden. Der beim GLE-Ö-Herbstsymposium in Goldegg gehaltene Vortrag versucht sich dem Phänomen Sehnsucht aus literarischer Perspektive und aus der psychotherapeutischen Arbeit an Hand von zwei Fallvignetten zu nähern.

Schlüsselwörter: Existenzanalyse, Fallvignette, Sehnsucht

Malen auf dem Hintergrund der Existenzanalyse

Therese Jones

Am Beispiel eines existenzanalytischen Therapieverlaufs, bei dem das Arbeiten mit Malen eng mit dem therapeutischen Prozess verwoben ist, wird das Besondere des Malens erfasst und dargestellt. Beim Klienten handelt es sich um einen 65-jährigen Mann, der durch den therapeutischen Prozess aus seinem Gefühl, vom Leben bestimmt und gefangen zu sein, zu einer inneren und äußeren Freiheit findet.

Schlüsselwörter: Fallvignette, Maltherapie

Auf dem Weg zu dir sehe ich dein Werk

Helene Drexler

In einem kreativen Werk, einem Bild, einer Melodie, einer Skulptur, zeigt sich die Person in spontaner Weise. Erfahrungen, Ängste, Wesenszüge, die der Bewusstheit mitunter noch vorenthalten sind, finden ihren Ausdruck. Mit einem phänomenologischen Zugang, der sinnliches Schauen und Erspüren in den Vordergrund stellt, können diese in die Sprache und ins Bewusstsein gehoben werden.

Aspekte dieser Form der Annäherung an die Person und ihr Werk werden in dem Artikel aufgezeigt und mit praktischen Beispielen demonstriert.

Schlüsselwörter: kreative Methoden, nonverbaler Ausdruck, phänomenologische Schau, Psychotherapie

Humanistische oder existenzielle Psychotherapie

Gabriel Traverso

Es gibt unterschiedliche Auffassungen darüber, ob die Gestalt-Therapie ein humanistisches, existenzielles oder transpersonales Verfahren darstellt, was bei der Therapie von Rogers, der EA oder der Therapie von Grof nicht der Fall ist. Es bedarf daher zuerst der Klärung der Unterschiede zwischen den humanistischen und den existenziellen Paradigmen. Im Lichte dieser Unterscheidung kann die Gestalt-Theorie eindeutig unter den existenziellen Verfahren eingereiht werden.

Schlüsselwörter: existenzielle Psychotherapie, Gestalt-Therapie, humanistische Therapie

Ein kreativer Dialog

Renate Lang

Ausgehend von persönlichen Berührungspunkten mit der Methode des Progressiven therapeutischen Spiegelbildes (PTS) nach Benedetti und Peciccia wird deren Vorgangsweise beschrieben und ihre Übertragbarkeit in den existenzanalytischen Kontext skizziert.

Anhand von Ausschnitten aus einem existenzanalytisch geführten Therapieprozess wird die Einbindung dieser Methode in die Arbeit mit einem Patienten dargestellt.

Schlüsselwörter: Arbeit mit Bildern, Dialog, Fallbeispiel, Kreative Methode (PTS)

Von der Seele schreiben

Marlies Blersch

Poesietherapie ist keine eigenständige Therapie, aber sie ist innerhalb der verschiedenen Therapieschulen integrierbar. Mit den Methoden des Biographischen und Kreativen Schreibens hilft sie, Namenloses zu benennen, Chaos zu ordnen, Unbekanntes aufzudecken, Gefühle in Worte zu fassen, gibt Sicherheit und Gestalt und ermöglicht Beziehung und Austausch mit anderen. Was wir aufgeschrieben haben, können wir betrachten, wir können uns distanzieren, können Stellung dazu nehmen und es auch umgestalten.

Schlüsselwörter: Biografie, Dialog, kreative Methode, Selbstdistanz, Stellungnahme

Pathologie der Faulheit

Caroline Balogh

Der vorliegende Beitrag betrachtet Faulheit und ihre Pathologie aus existenzanalytisch-phänomenologischer Sicht. Auf der Grundlage eigener Introspektion und der Analyse einer Fallgeschichte definieren fünf Merkmalsdichotome die Unterschiede zwischen Faulheit als Nichts-Tun durch ein passivierendes Nicht-Können und Muße als Nichts-Tun durch eine mobilisierende Hingabe und Offenheit. Faulheit als Leiden und Muße als Erfüllung ähneln sich stark in der Außensicht, in der Innensicht auf beide Phänomene wird die Pathologie der Faulheit als fehlende Ich-Struktur offen gelegt.

Schlüsselwörter: Beziehungslosigkeit, Copingreaktion, Faulheit, Muße, phänomenologisches Schauen

Der Einfluss sportlicher Aktivitäten auf die existentielle Lebensqualität

Sandra Jerard

Ziel und Hintergrund: Ziel dieser Arbeit war es, den Einfluss sportlicher Aktivität auf die Existentielle Lebensqualität zu untersuchen. Es handelt sich dabei um ein umfassendes Konzept seelischer Gesundheit unter Einbeziehung der Sinndimensionen, das auf Basis der vier Grundmotivationen der Existenzanalyse entwickelt wurde.

Methode: Die quasiexperimentelle Untersuchung wurde im Cross Sectional Design durch eine einmalige Vorgabe des Fragebogens zur Existentiellen Lebensqualität (Görtz 2003) durchgeführt. Es wurden fünf natürliche Gruppen miteinander verglichen: Nichtsportler, Gelegenheitssportler, Freizeit- und Breitensportler ohne Wettkampfaktivität, Freizeit- und Breitensportler mit Wettkampfaktivität sowie Leistungs- und Hochleistungssportler. Zur Erweiterung und Differenzierung wurden zusätzlich an einem Teil der Stichprobe Interviews durchgeführt, welche sowohl inhaltsanalytisch als auch phänomenologisch ausgewertet wurden.

Ergebnisse: Leistungssportler zeigten einen signifikant höheren Mittelwert in den Dimensionen Lebensgefühl, personale Aktivität und existentielle Erfüllung als Nichtsportler, Gelegenheitssportler bzw. Freizeit- und Breitensportler ohne Wettkampfaktivität. Die inhaltsanalytische Auswertung ergab weiter, dass regelmäßige sportliche Aktivität das körperliche und das psychische Wohlbefinden verbessert sowie für Entspannung und Ausgleich sorgt. Die phänomenologische Analyse zeichnete ein differenziertes Bild des Phänomens Leistungssport.

Schlussfolgerung: Sportliche Aktivität verfügt über grundlegende und umfassende Potentiale. Der Leistungssport stellt ein wertvolles Entwicklungs- und Selbstentfaltungsfeld dar, birgt jedoch bei einem falschen Zugang durch die Athleten auch Gefahren.

Schlüsselwörter: Existentielle Lebensqualität, Leistungssport, phänomenologische Analyse, sportliche Aktivität

Normierung der Existenz-Skala in Russland

Irina Maynina, Aleksey Vasanov

Die Existenz-Skala (ESK) ist ein Fragenkatalog, die zur Einschätzung der existentiellen Erfüllung der Person entworfen wurde. Der Test basiert sowohl auf Frankls Konzept vom existentiellen Sinn als auch auf der erweiterten Definition von Längle. Er beinhaltet vier Subskalen: Selbstdistanzierung, Selbsttranszendenz, Freiheit und Verantwortung. Nach der Standardisierung für russische Muttersprachler wurde die Anzahl der Items von 46 auf 43 reduziert. Mehr als 1000 Befragte nahmen an der Testvalidierung teil. Zur Überprüfung wurden das Personal Orientation Inventory (POI), der 16-Persönlichkeits-Faktoren-Test (16 PF) und das Eysenck-Persönlichkeits-Inventar (EPI) verwendet.

Schlüsselwörter: existentielle Erfüllung der Person, Selbbstdistanzierung, Selbsttranszendenz, innere Freiheit, Verantwortung, Selbstaktualisierung, Neurotizismus

Diagnostik und Beratung in der Burnout-Prophylaxe mithilfe des TEM

Irene N. Efimowa

In dieser Arbeit wird eine auf den TEM-Fragen beruhende strukturierte Einzelberatung von Burnout-Patienten vorgestellt. Des Weiteren werden auch Möglichkeiten für die Diagnostik des Burnouts mithilfe des TEM beschrieben.

Ausgangspunkt ist ein Test an 49 Mitarbeitern eines Moskauer Kinderzentrums, die zunächst mithilfe des Burnout-Fragebogens von Bojko auf das Vorhandensein und den Schweregrad eines eventuellen Burnouts untersucht wurden. Dann wurden die Ergebnisse dieses Test mit den ebenfalls abgefragten TEM-Testwerten der Probanden korreliert. Dabei ergaben sich nur geringe Korrelationen. Dennoch erwiesen sich die TEM-Fragen als nützlich bei der Beratung jener Mitarbeiter, bei denen ein Burnout festgestellt wurde.

Schlüsselwörter: Burnout, Test zur existentiellen Motivation (TEM)

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