Existenzanalyse 1/2018

BEGLEITUNG ALS PROFESSION

SILVIA LÄNGLE

Begleitung stellt einen Zwischenbereich zwischen Beratung und Psychotherapie dar. Sie hilft Menschen die Hausforderung unausweichlicher und unabänderlicher Lebenssituationen psychisch und existentiell durchzustehen. Das bedarf im existenzanalytischen Verständnis einer spezifischen Kompetenz der Begleiter: Es ist eine annehmende, mittragende Anwesenheit gefordert, die den Menschen in seiner Not aushält und bei ihm verweilen kann. In diesem Artikel wird das Ziel der Ausbildung zu professioneller Begleitung im Verständnis der Existenzanalyse reflektiert, um Begleiter für die skizzierte Aufgabe zu schulen. Mit dieser Aufgabe sind konkrete Kompetenzen verbunden: eine Stabilisierung der Persönlichkeit der Begleiter im unmittelbaren Hier und Jetzt, sodass die Zeit des Verweilens lebenswerte Qualität erhält. Darin wird die potentiell heilsame Wirkung für Begleitete gesehen, die ihnen ein Annehmen der Situation erleichtern kann, indem sie vor allem auch eine Nähe zu sich selbst finden. Daraus ergibt sich ihr eigener Weg des Umgangs mit ihrer leidvollen Situation.
Schlüsselwörter: Begleitung, Grundmotivationen , Annehmen, Respekt, Sinn, phänomenologische Haltung

PSYCHOONKOLOGIE UND EXISTENZANALYSE

Betreuung und Behandlung im Krankenhaussetting

CLEMENS FARKAS, ELISABETH ANDRITSCH

Krebs als existentiell bedrohliche Erkrankung ist für viele Patienten mit einer Vielzahl von Belastungsfaktoren verbunden, welche vielfache Anpassungsbemühungen in allen Bereichen des Lebens erfordern. Durch die Krankheit Krebs werden sowohl die Betroffenen, ihre Angehörigen, als auch deren Behandler in ihrem Dasein von der Erschütterung des Lebens angefragt und dadurch mit existentiellen Themen konfrontiert. In dieser Auseinandersetzung mit Verunsicherung, Identitätsverlust, Kontroll- und Haltverlust, kann die Psychoonkologie in Begleitung und Behandlung unterstützend wirken. Dieses „in Frage stellen“ und „angefragt Sein“ kann mit den Methoden der Existenzanalyse nicht nur in der Bewältigung des Ereignisses der Krebskrankheit unterstützend wirken, sondern auch Existenz vollziehen lassen.
Schlüsselwörter: Krebs, Psychoonkologie, existentielle Bedrohung, Krankheitsbewältigung, Begleitung

EXISTENZIELLE ARBEIT IN DER
MOBILEN SOZIALPSYCHIATRISCHEN BETREUUNG

ESTHER ARTNER

Anhand eines Fallbeispiels soll von den Chancen und Möglichkeiten existenzieller Arbeit im Bereich der Mobilen Sozialpsychiatrischen Betreuung berichtet werden.
Die Rahmenbedingungen, das besondere Setting, die Beziehungsgestaltung zwischen Klient und Betreuer, die Herausforderungen und die Haltung der betreuenden Person werden nachgezeichnet und veranschaulicht.
Schlüsselwörter: Sozialpsychiatrischen Betreuung, Begleitung

AUS DER OHNMACHT ZUR AKTIVEN TEILNAHME AM LEBEN

Begleitung von Kindern zu Reife und Integration

BIRGIT KOLLER

Auf der Basis des existenzanalytischen Menschenbildes und durch Stärkung in den vier Grundmotivationen kann mit Hilfe existenzanalytischer Beratung und Begleitung die Person des Kindes aktiviert und damit für die Alltagsbewältigung eine Alternative zu Copingreaktionen erarbeitet werden. In der Folge wird ein Projekt vorgestellt, in dem über einen Zeitraum von etwa 20 Jahren rund 100 Kinder und Jugendliche im Alter von vier bis 14 Jahren in ihrer Entwicklung und Reifung begleitet wurden, um ihnen eine autonome Lebensgestaltung zu ermöglichen. Darüber hinaus wird ein Weg aufgezeigt, wie Fremdes durch phänomenologisches Sehen und Verstehen zum Vertrauten wird, wodurch sich Integration einstellt.
Schlüsselwörter: Entwicklungs-Begleitung, Reifebegleitung, Migrationshintergrund, Integration

ERFAHRUNGSBERICHT

Wirkmächtigkeit der Ausbildung zur existenzanalytischen Beraterin

HELGA GRUBITZSCH UND KLAUDIA GENNERMANN

Der Erfahrungsbericht von Helga Grubitzsch zeigt, wie die Ausbildung zur existenzanalytischen Beraterin von einer Teilnehmerin erlebt wurde und welche Wirkungen sie in ihrem Leben entfaltet hat. Der Kommentar von Klaudia Gennermann beleuchtet die strukturellen und inhaltlichen Vorgaben des Curriculums der GLE-D im Hinblick auf den vorgestellten Entwicklungsprozess. So kann die Wirkmächtigkeit der Ausbildung aus verschiedenen, sich ergänzenden Perspektiven deutlich werden.
Schlüsselwörter: Ausbildung, Erfahrungsbericht, existenzanalytische Beratung, Wirksamkeit, Selbsterfahrung

„ICH WILL NUR SICHERHEIT“

Besonderheiten in Beratung und Psychotherapie im Kontext von Flucht, Trauma und Menschen auf der Suche nach Schutz

EVA ECKHARD UND DAVID NOWROUZI

Der folgende Beitrag thematisiert Charakteristika in der Beratung und in der Psychotherapie von Menschen, die aus ihren Herkunftsländern geflüchtet sind. Am Beginn steht eine Auseinandersetzung mit dem Phänomen „Flucht“ aus existenzanalytischer Sicht und ihre Auswirkungen auf die vier Grundmotivationen. Im Anschluss wird die Lebensrealität von geflüchteten Personen in Österreich skizziert und auf interkulturelle Aspekte, wie das Verständnis von Beratung und Therapie in verschiedenen Kulturen, die Rolle von DolmetscherInnen in der Beratungssituation oder die Bedeutung der Familie in kollektivistischen Gesellschaften eingegangen. Zuletzt beschäftigt sich der Beitrag mit den Dynamiken von Ohnmacht und Aktivismus in Bezug auf die TherapeutInnen.
Schlüsselwörter: Flucht, Trauma, Interkulturalität, Beratung von Flüchtlingen

AUS DER BERATUNGSPRAXIS DER CARITAS:
DIE ANWENDUNG DER PEA IN DER PAARBERATUNG

WOLFGANG ZÖTTL

Existentielle Paarberatung besteht zu einem wesentlichen Teil darin, personale Begegnungsräume für das Paar zu schaffen. In diesem Beitrag wird der Einsatz des personalen Paardialoges als Instrument zur Schaffung von Begegnungsräumen im Rahmen der Paarberatung in der Caritas Burgenland skizziert. Es wird dargelegt, wie die Grundidee des Imago Dialoges nach Harville Hendrix in das Prozessmodell der Existenzanalyse (PEA) integriert wird.
Schlüsselwörter: Eigenverantwortung, Begegnung in der Beziehung, personaler Paardialog, Prozessmodell (PEA), Imago-Dialog

EXISTENZIELLES SELBSTCOACHING –
NEUE DENKANSTÖßE FÜR DAS LEBEN IM ALLTAG

Ein Praxisbericht über Selbstcoaching für Laien

MARCO SCHICKER

Im Alltag beschäftigen uns viele Situationen und Ereignisse. Einige lassen uns nicht los und wir kommen ins Grübeln. In speziellen geeigneten Fällen hilft das Arbeitsheft „Existenzielles Selbstcoaching“, um über eine geführte Selbstreflexion neue Denkanstöße für den personalen Umgang zu generieren. Einstiegspunkt sind dabei die Copingreaktionen, die man im eigenen Verhalten entdecken kann. Basierend darauf werden in der dazugehörigen Grundmotivation Fragen gestellt und Aussagen getroffen, die der Reflexion und dem Denken eine Richtung geben. Ziel ist es dem Coachee durch gezielte Anregungen Unterstützung im personalen Umgang mit einer Situation zu geben.
Schlüsselwörter: Selbstcoaching, Copingreaktion, personaler Umgang

LUST UND LEISTUNG – FREUNDE ODER FEINDE?

URSULA DOBROWOLSKI

Der Beitrag geht einer Frage nach, die in der Therapiearbeit sehr häufig auftaucht: Wie verhalten sich Lust und Leistung zueinander? Wann wird Leistung als bereichernd, wann als bedrückend empfunden? Unter Rückgriff auf das existenzanalytische Sinn-Konzept wird versucht, den Unterschied zu formulieren zwischen einer gesunden, beglückenden Leistung und einer Leistung, die krank macht und letztlich ins Burnout führen kann.
Schlüsselwörter: Burnout, Flow, Leistung, Lust, Schein-Sinn, Sinn

WO DIE LUST VERBOTEN IST …

BARBARA GAWEL

… und das eigene Mögen keinen Platz haben darf; wo das spontane lustvolle Erleben der braven Angepasstheit weichen muss – dort entstehen mit der Zeit Unlustgefühle, Enge, Leere und Unfreiheit. Gerade im Kindesalter kann das seinen Niederschlag auf der psychosomatischen Ebene finden, z. B. im Schlaf-, Ess- und Sauberkeitsverhalten, aber auch im Mangel an Konzentration, Ausdauer und Interesse. Durch das Verbot des eigenen Mögens geht eine wichtige Erlebnis- und Ausdrucksmöglichkeit des Menschen verloren. Dieser Zusammenhang zwischen „Mögen“ und Lebenslust wird in den Grundzügen erörtert und an zwei Fallbeispielen aus der Kindertherapie deutlich gemacht. Dabei geht es auch um die Möglichkeiten der Elternarbeit in Ergänzung zur Behandlung des Kindes.
Schlüsselwörter: Lust, Unlust, Mögen, Kinder- und Jugendpsychotherapie

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