EA 01/2014 – Abstracts

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EA 01/2014 – Abstracts2017-11-24T02:00:43+00:00

Existenzanalyse 1/2014

Zeitschrift ExistenzanalyseExistentielle Erfüllung bei PatientInnen mit Multipler Sklerose

Karin Kalteis, Renate Lang, Alfried Längle

Multiple Sklerose ist eine chronisch-entzündliche Erkrankung des zentralen Nervensystems und mit erheblichen psychischen und sozialen Folgen verbunden. Viele Betroffene sind in ihrer gesundheitsbezogenen Lebensqualität eingeschränkt. Die Unvorhersehbarkeit des Verlaufs und der Symptomatik stellen eine Herausforderung an den Umgang mit der Krankheit dar. Ziel dieser Studie war die Erhebung der existentiellen und personalen Kompetenzen der Multiple-Sklerose PatientInnen. Die Ergebnisse wurden mit einer Gruppe von PatientInnen mit internistischen Erkrankungen verglichen. Die PatientInnen waren signifikant jünger als die PatientInnen der Vergleichsgruppe. Insgesamt verfügen die PatientInnen mit Multipler Sklerose über eine gute existentielle und personale Kompetenz, die sie befähigt, mit ihrer Krankheit umzugehen. Sie unterscheiden sich lediglich in der Subskala Selbst-Distanzierung von der Vergleichsgruppe. Die Belastung durch die Symptomatik der Erkrankung schränkt möglicherweise die Fähigkeit ein, zu sich selbst auf Distanz zu kommen.

Stichworte: Multiple Sklerose, chronische Krankheit, Existenzanalyse, Existenzskala,Selbst-Distanzierung

Wie wissen wir, ob wir in der Erziehung richtig handeln?

Eva Maria Waibel

Wie wissen wir, ob etwas richtig ist, in Erziehung und Schule? Für uns selbst als Erziehende?
Für Andere, beispielsweise die uns anvertrauten Kinder? Können wir überhaupt für Andere wissen, was richtig ist? Wie wissen wir, ob unsere Erziehungshandlungen und -haltungen richtig sind? Und wie können wir Kinder dabei begleiten, dass sie erkennen (lernen), was (auch für sie) richtig ist? Damit ergibt sich die Frage: Wer oder was ist das Maß für Werte?
Wie gewiss können die Antworten sein? Welche Instanzen geben darüber Auskunft?
Zu einer tragfähigen Antwort führen im Großen und Ganzen zwei Hauptstraßen:
Da sind zum einen die Komponente der Ethik und zum anderen das Konzept der inneren Stimmigkeit – anders gesagt: des Gewissens. Beide spielen in der Erziehung eine große Rolle.
In den folgenden Überlegungen wird versucht, sich diesen Fragen grundlegend zu nähern, zunächst der Ethik, den Allgemeinen Werten, in weiterer Folge der Stimmigkeit, die in den Personalen Werten abgebildet wird. Zu guter Letzt werden diese Antworten auf Erziehung fokussiert.

Schlüsselwörter: Wert, Person, Legalität, Moralität, Existenzielle Pädagogik

„Wen die Götter zerstören wollen, den machen sie zuerst verrückt“ (Epikur) – Existentielle Folgen psychischer Erkrankungen

Klaudia Gennermann

Krankheit, als schwer zu definierender Begriff, wird oft im Gegensatz zur Gesundheit verstanden. Als unscharfes und ganzheitliches Phänomen bedarf es zu Beginn einer detaillierteren Betrachtung zur Einordnung leichter, schwerer und chronischer Erkrankungen und ihrer existentiellen Folgen. Nach einer Beschreibung der psychophysischen und sozialen Aspekte von Erkrankung werden dann die Besonderheiten psychischer Erkrankung herausgearbeitet und in ihren existentiellen Folgen und Entwicklungen in den Blick genommen.

Schlüsselwörter: Krankheit – Gesundheit, Psychophysikum, Gesellschaft, Norm, Psychische Störung, Stigmatisierung, Diagnose

Die infauste Prognose
Personaler Umgang und Finden existentiellen Halts bei lebensbedrohender Diagnose

Barbara Kernmayer

Der Erhalt einer Infausten Prognose ist eine hereinbrechende Bedrohung, die verschiedene Wirkmechanismen der Angst in Gang setzt. Der Artikel beschäftigt sich mit Möglichkeiten einer personalen Reaktion, mit Prozessen der Psychodynamik, sowie mit Verarbeitungsprozessen unter Beachtung der vier Grundmotivationen, Copingreaktionen und existenzanalytisch-psychotherapeutischen Ansätzen. Integration der Angst und ein Annehmen des Faktischen stellen die Hauptansätze zur Bewältigung der Krise dar.

Schlüsselwörter: infauste Prognose, Psychodynamik, Copingreaktionen, Angst

Leben mit der Diagnose Krebs

Christina Strempfl

Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit existentiellen Themen im Zusammenhang mit der Krankheit Krebs. Diese Krankheit wird meist als eine Grenzerfahrung des Daseins, als eine Konfrontation mit dem Tod erlebt. Es geht um den Prozess, einen Weg zu finden diese Krankheit und die damit verbundene Angst annehmen zu können, sie zu integrieren, um wieder frei zu werden für das Leben. Die Diagnose Krebs „verstellt“ zunächst den Blick auf das Leben, weil die Frage auftaucht, wie weiterleben, wenn der Tod so nahe rückt? Es wird dargestellt welche personal-existentiellen Möglichkeiten in dieser Erschütterung liegen, um mit der auftauchenden Angst und Verletzbarkeit wieder den Mut zu finden, mit sich und dem Leben in Beziehung zu treten.

Der notwendige personale Prozess wird beschrieben, um mit der Krankheit in ein zuversichtliches, gelassenes Leben zu finden, wo Tod und Abschied nicht mehr als vernichtend erlebt werden.

Schlüsselwörter: Angst, Krebs, existentielle Erschütterung, Tod, Zuversicht

Dialog mit meinem Körper
Erfahrungen und Überlegungen zu einer existenzanalytischen Schmerztherapie

Rupert Dinhobl

Anliegen dieses Beitrages ist es, auf Grund der Erfahrungen mit Schmerzpatienten in der Suizidpräventionsstation (Psychiatrie, Christian-Doppler-Klinik, Salzburg), eine prozesshafte Schmerztherapie vor dem Hintergrund der Personalen Existenzanalyse nach Längle zu skizzieren. Es ist bemerkenswert, wie gut sich die Basics unserer existenzanalytischen Therapie in der Schmerztherapie umsetzen lassen.

Schlüsselwörter: Schmerz, Schmerztherapie, Personale Existenzanalyse

Annehmen chronischer Krankheit als existentielle Herausforderung

Elisabeth Petrow

Eine chronische Erkrankung annehmen zu lernen ist oft ein lebenslanger Prozess, der seinen Anfang in einer tiefen Erschütterung, in der Erfahrung einer Grenzsituation (Jaspers) nehmen kann. Der bewusste und entschiedene Umgang mit dieser Grenzsituation und den aus der Erkrankung resultierenden Lebensveränderungen kann es dem Betroffenen ermöglichen, zur eigenen Existenz zu kommen.

Schlüsselwörter: Annehmen, Leiden, Grenzsituation, biographische Integration

„Um zu können, was wir wollen, müssen wir wollen, was wir können.“
Aufgaben und Arbeit in der Krankheitsbewältigung bei chronischen Erkrankungen

Joachim Schmidt

Der antike, aus der Stoa überlieferte Gedanke in der Überschrift drückt ein Dilemma aus, in dem sich Menschen angesichts der Herausforderungen ihres Lebens befinden: Wollen und Können stimmen oft nicht überein, müssen aber letztlich in Einklang gebracht werden. Das ist immer so, tritt aber als große Lebensaufgabe besonders in der Auseinandersetzung mit Beeinträchtigungen und Behinderungen hervor. Krankheitsbewältigung ist „Arbeit an sich selbst’“ und muss immer neu in Abstimmung mit dem Verlauf der Erkrankung geleistet und gelebt werden. Im Folgenden wird ein Modell dieser Arbeit skizziert und erläutert.

Schlüsselwörter: Akzeptanz, Biographie, Identität, Krankheitsbewältigung, Schicksal

Warum nicht in Ruhe verrückt werden dürfen – Demenz-Kranke und ihre pflegenden Angehörigen

Christine Schnaiter

Bei vielen Menschen treten jenseits des 60. Lebensjahres fortschreitende Störungen des Gedächtnisses, der Konzentrationsfähigkeit, der Orientierung und des Denkvermögens auf. Das führt zu einer eingeschränkten Alltagsbewältigung und im fortgeschrittenen Stadium zu einer „Demenz“. Die häufigste Form ist die Alzheimer-Krankheit. Die meisten Demenzkranken werden zu Hause von ihren Angehörigen betreut. Für das Zusammenleben in Partnerschaft und Familie bedeutet eine Demenzerkrankung eine große Belastung. Es kommt bei Angehörigen zu einer anhaltenden Überlastung. Sie brauchen Hilfe, die in Angehörigengruppen in Form von Informationsvermittlung, Beratung und Erfahrungsaustausch geboten werden kann. Existenzanalyse kann dazu einen wichtigen Beitrag leisten. Mit Grundmotivationen, Wertelehre und Sinnkonzept kann ein gutes Gerüst erstellt werden, um sowohl den Angehörigen als auch den Erkrankten eine bessere Lebensbewältigung und Lebensqualität zu ermöglichen.

Schlüsselwörter: Demenz, Existenzanalyse, Hilfe, Lebensqualität, pflegende Angehörige

„Give me ten million dollars and I find you a cure“

Rudolf Wagner im Gespräch mit Gerald Fischer

In diesem Gespräch über seltene Krankheiten, pulmonale Hypertonie, den Schock der Diagnose, die Mobilisierung der Kräfte und den sichtbaren Erfolg – für die eigene Tochter und in der europäischen Gesundheitspolitik gibt ein unmittelbar Betroffener Einblick.

Schlüssselwörter: Annehmen (seltene) Chron. Krankheit, Interessensvertretung, Lobbying, Selbsthilfe

Bilder eines Weges – Psychotherapie einer Frau mit geistiger Behinderung
Eine existenzanalytisch-kunsttherapeutische Arbeit

Elisabeth Koch

In diesem Artikel wird die Therapie einer 50jährigen, geistig behinderten Frau beschrieben, in der sich Kunsttherapie und Existenzanalyse optimal verbinden. Als nonverbale Ausdrucksform ergänzt die Kunsttherapie die Existenzanalyse besonders im Erleben von Bewegung und Bewegt-sein, der leiblichen Wahrnehmung, dem Bergen der Emotion und dem Werterleben. Sie eröffnet den Raum für das Können, der zugleich auch Raum für Begegnung ist, mit sich selbst und mit anderen.

Schlüsselwörter: Geistige Behinderung, Fallbeschreibung, Kunsttherapie, Existenzanalyse

Existential-phenomenological analysis of dependence in close interpersonal relationships
Existentiell-phänomenologische Analyse der Abhängigkeit in engen zwischenmenschlichen Beziehungen

Svetlana N. Skvortsova, Vladimir B. Shumskiy

Dieser Artikel stellt das Ergebnis einer phänomenologischen Studie der Abhängigkeit in engen Beziehungen zwischen Männern und Frauen vor. Mit den Teilnehmern, die eine Abhängigkeit in ihrer engen Beziehung erleben, wurden Interviews geführt, die nach der phänomenologischen Methode von A. Giorgi analysiert wurden. Aus dieser Analyse wurde ein Strukturmodell von Beziehungsabhängigkeit abgeleitet, das stabile von variablen Komponenten der Abhängigkeit trennt. Dabei wurde in dieser Studie der „Teufelskreis“ von „Nähe – Entfremdung“ besonders berücksichtigt, der sich als spezifisch für abhängige Beziehungen erwies. Die Ergebnisse führen zu einer Differenzierung zwischenmenschlicher Abhängigkeit basierend auf der Art des Mangels, der durch den Partner kompensiert werden soll. Das Muster dieser Defizite entspricht dem Inhalt der vier existentiellen Grundmotivationen, wie sie A. Längle formuliert hat: der Mangel an Halt, der Mangel an Lebensgefühl, Mangel an Selbstannahme und Selbstwert. Eine Frustrierung der Sinndimension war in allen Fällen von Abhängigkeit präsent.

Schlüsselwörter: Abhängigkeit, Existentielle Grundmotivationen, zwischenmenschliche Beziehung, Sinn, phänomenologische Analyse

Relationship between Existential Motivation and Depression
Die Beziehung zwischen existentieller Motivation und Depression

Vaida Mažonaitė, Paulius Skruibis

Das Ziel dieser Forschung war die Beziehung zwischen existentieller Motivation und Depression zu untersuchen. Dazu wurde der Test für Existentielle Motivation (TEM – Längle & Eckhardt 2000) verwendet. Die psychometrischen Charakteristika dieses Tests wurden überprüft und für gut befunden. Der Test besteht aus vier Subtests, die vier existentielle Motivationen messen – die Beziehung des Menschen zur Welt, ihrer Realität und Möglichkeiten; Leben, die präsenten Beziehungen und Gefühle; sich selbst sein als einmalige und autonome Person; und Sinn – Bedingungen und Aktivitäten, in denen man nach Vollendung suchen kann. Es wurde gefunden, dass die existentielle Motivation depressiver Menschen geringer ist als für Menschen ohne diese Diagnose. Die Unterschiede in der Bewertung der Subtests und des Gesamttests erwiesen sich als statistisch signifikant.

Schlüsselwörter: Depression, Existentielle Motivation, Test der Existentiellen Motivation (TEM), psychometrische Charakteristika

Impact of meaning in life on psychological well being and stress among university students
Die Auswirkung von Sinn im Leben auf das psychische Wohlbefinden und Stress unter Universitätsstudenten

Aisha Bano

Die vorliegende Studie zielt darauf ab, die Auswirkung von Sinn im Leben auf das psychische Wohlbefinden und Stress unter Universitätsstudenten zu untersuchen. Viktor Frankls Paradigma liefert die theoretische Grundlage für die Studie. Eine Stichprobe von 560 Studenten der Quaid-i-Azam University Islamabad in Pakistan ließ sich zur Teilnahme motivieren. Die Daten wurden mithilfe der Existenz-Skala (Längle, Orgler, & Kundi 2003), dem Warwick-Edinburgh Mental Well-Being Scale (Parkinson 2006) und der Stress Scale (Lovibond & Lovibond 1995) ermittelt. Resultate der linearen Regressionsanalyse ergaben eine hohe Wahrnehmung von Sinn im Leben als förderlich für hochgradiges psychisches Wohlbefinden und niedrigem Stress unter Universitätsstudenten. In dieser Stichprobenauswahl ergab der t-Test keine statistisch signifikanten Unterschiede zwischen Männer und Frauen im Bezug auf die Variable Sinn im Leben.

Schlüsselwörter: Sinn, existentiell, psychologisch, Stress, Wohlbefinden

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