EA 02/2015 – Abstracts

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EA 02/2015 – Abstracts2017-11-24T02:05:54+00:00

Existenzanalyse 2/2015

Zeitschrift ExistenzanalyseBEHANDLUNGSZIEL SCHÖNES LEBEN – DAS ORPHEUS PROGRAMM

MICHAEL MUSALEK

Dieses Ermöglichen eines autonomen und freudvollen, also schönen Lebens ist das Hauptziel eines Therapieprogramms, das vor einigen Jahren im Anton Proksch Institut primär für Suchtkranke entwickelt wurde und als „Orpheus-Programm“ bekannt wurde. Dieses Orpheus-Programm sieht sich voll und ganz den Maximen einer „human-basierten Medizin“ verpflichtet. Es gilt dabei sichere Spielräume und öffnende Atmosphären zu schaffen, in denen es den Patienten möglich wird, ihre eigenen ersten Schritte dorthin zu gehen, wo für sie Attraktives, für sie Schönes auf sie wartet und wo der Einzelne auch im Falle des Strauchelns und Stürzens keinen so weitreichenden Schaden erleidet, dass es ihm nicht wieder leicht möglich wäre, weitere Schritte in Richtung freudvolles Leben zu unternehmen. Das Orpheus-Programm ist nicht als ein zu den herkömmlichen Behandlungsangeboten alternatives Therapieprogramm aufzufassen, sondern als ein zur Pharmakotherapie, Psychotherapie und Soziotherapie von psychischen Erkrankungen komplementärer Therapieansatz. Die Behandlungsmodalitäten dieses in letzter Konsequenz zieloffenen Behandlungsprogramms basieren auf einem mehrdimensionalen differentialdiagnostischen Prozess, wobei vor allem den optativen und ästhetischen Ressourcen besonderes Gewicht beigemessen wird. Nicht ein vom Therapeuten vorgegebenes Ziel gilt es zu erreichen, sondern ein Mögliches möglich zu machen; der Weg zu einem für den Einzelnen möglichen freudvollen Leben, das ist das Ziel; das Schöne ist dabei Hauptfokus der Therapie sowie auch selbst Therapeutikum.

Schlüsselwörter: Sucht, Schönheit, Ästhetik, Freude, sinnliches Wahrnehmen

DIE ZUSTIMMUNG IN DER SÜCHTIGKEIT Ein existenzanalytischer Zugang

ALFRIED LÄNGLE

Abhängigkeit ist Behinderung des Person-Seins. Diese überaus starke psychische Bedürftigkeit zwingt den freien Willen regelmäßig, sich ihr zu unterwerfen. Der Wille beugt sich und spielt mit. Das bringt Entlastung. Das Üble daran: Der Wille handelt gegen das eigene Person-Sein, der Mensch also gegen sich. Der Mensch ist sich selbst zum Feind geworden, in einen Zustand der Selbstzerstörung geraten. – Um aus diesem autodestruktiven Umgang wieder herauszukommen, bietet sich eine systematische Bezugnahme zur eigenen Person an, um sich in ihr wieder verankern zu können und allmählich aus dem Wesentlichen leben zu können. Dazu werden Übungsschritte und eine Methode zur Stärkung der personalen Kräfte vorgestellt, die an der Akzeptanz der Sucht ansetzen und über diesen Weg versuchen, der Person wieder mehr Spielraum zu verschaffen und die Abhängigkeit von innen heraus zu überwinden.

Schlüsselwörter: Sucht, Wille, Freiheit, Selbst-Akzeptanz

SUCHT: IM MILDEN GLANZ DER TÄUSCHUNG AN DEN ABGRUND

ANTON NINDL

Während wir uns im Rausch wie im Paradies fühlen, wird das Erleben in der Sucht zur Hölle. Literarische Schilderungen und Aussagen von KlientInnen beschreiben, wie alles so leicht begonnen hatte: Vom milden Glanz der Täuschung verführt, verfallen Süchtige sirenenhaften Irrlichtern folgend der Uneigentlichkeit des Daseins. In der Entfremdung von sich verblasst die Stimme des Gewissens und süchtig geworden treiben sie scheinbar hilflos siechend auf den Abgrund zu. An Hand von Beispielen aus Literatur und psychotherapeutischer Praxis wird das ohnmächtige Erleben und inauthentische Verhalten illustriert. Psychoanalytische Theoriebildungen und die existenzanalytische Perspektive ermöglichen ein therapeutisches Verstehen und weisen erste Wege aus dem Verfallensein.

Schlüsselwörter: Sucht – Literatur – Psychodynamik – Existenzanalyse

VERZWEIFLUNG IM SELBST Zu den tieferen existentialen Ursachen der Sucht

EMMANUEL J. BAUER

Noch bevor genetische Faktoren und neuronale Muster schlagend oder biochemisch messbare Degenerationserscheinungen manifest und als unmittelbare Ursachen der Sucht diagnostiziert werden können, ist der süchtige Mensch existential von der Verzweiflung am Selbst (Kierkegaard) und von der Verfallenheit an das Man (Heidegger) in ihren verschiedenen Konkretionen gezeichnet. Die darin sichtbar werdende „Geistlosigkeit“ (Kierkegaard), die letztlich Selbst-losigkeit und Selbst-Sucht in einem ist, sowie das Scheitern an der Aufgabe, zur Eigentlichkeit des eigenen Daseins vorzudringen, sind unter fundamentalontologischem und existenzanalytischem Gesichtspunkt der wohl nur mittelbare, aber doch eigentliche und tiefste Grund für das Entstehen eines Suchtverhaltens des Menschen. Diese tiefe existentialphilosophische Struktur lässt verstehen, dass und warum Suchtverhalten in gewissem Maß und meist in latenter und kontrollierbarer Form fast bei jedem Menschen auftritt. Während die rein medizinisch, empirisch-psychologische, therapeutische Perspektive vornehmlich auf „Reparatur“ abzielt, hat das existenzphilosophische Verstehen der Sucht-Gründe den großen Wert, der Neigung zur Sucht präventiv zu begegnen.

Schlüsselwörter: Verfallenheit, (tiefe) Langeweile (Heidegger), Verzweiflung (Kierkegaard)

ICH SCHAFFE NICHTS AUßER ARBEIT Das Bild der Arbeitssucht anhand typischer Symptome

JANA BOZUK

Diese Fallvignette zeichnet ein Bild der Entwicklung von motiviertem und engagiertem Arbeiten hin zur Arbeit, die in Suchtverhalten endet. Inwieweit sich ein solches Suchtverhalten, das die alltägliche Tätigkeit des Arbeitens befällt, auf die Physis, die Emotionalität und die Sozialität des Patienten auswirkt, versucht dieser Artikel darzustellen. Abschließend vergleicht dieser Beitrag kurz das Verhalten des Fallpatienten mit zentralen Kriterien für das Vorliegen einer Sucht.

Schlüsselwörter: Arbeitssucht, Sucht, Fallvignette

„ABER HUNGERN WILL ICH NICHT!“ Übergewicht im Kontext der Psychotherapie

ZDENKA CAMACHOVA DAVET

Manche psychotherapeutische Patienten und Patientinnen wehren unangenehme Gefühle ab. Unter anderem kann auch die Nahrungsaufnahme zu diesem Zweck verwendet werden. Anhand eines Fallbeispiels wird das Thema der Esssucht und des daraus folgenden Übergewichts illustriert. Eine mögliche existenzanalytische Herangehensweise in der psychotherapeutischen Behandlung übergewichtiger Patientinnen und Patienten wird dargestellt.

Schlüsselwörter: Esssucht, Übergewicht, psychotherapeutische Behandlung, Fallbeispiel

IM SPIEL VERLOREN

MONIKA VOGELGESANG

Die übermäßige, berufs- und ausbildungsfremde Nutzung von PC und Internet mit gravierenden Nachteilen für die eigene Person ist ein kulturabhängig sehr junges gesellschaftliches und psychopathologisches Phänomen, für das der Volksmund den Ausdruck „Computersucht“ geprägt hat, das in den gängigen Diagnoseklassifikationen jedoch noch nicht definiert ist. In der AHG Klinik Münchwies (in Deutschland) wurde ein Schwerpunkt für PatientInnen mit pathologischen PC-/Internetgebrauch etabliert. Die hier gewonnenen klinischen Erfahrungen wurden in wissenschaftlichen Projekten begleitet. Hierauf basierend wurden im Wesentlichen phänomenologisch ausgerichtete Diagnosekriterien definiert und therapeutische Vorgehensweisen entwickelt. Besondere Beachtung findet hierbei die pathognomonische Dichotomie des Ich-Erlebens hinsichtlich der realen versus der virtuellen Welt.

Schlüsselwörter: Computer- und Internetsucht, Störung durch den Gebrauch von Internetspielen, pathologischer PC-/Internetgebrauch, Diagnosekriterien, Behandlung, Phänomenologie

SUCHT – SCHUTZ UND TRUTZBURG

WIBKE VOIGT

In den letzten Jahren haben zahlreiche Studien den klaren epidemiologischen Zusammenhang zwischen Traumatisierung, Traumafolgestörungen und Sucht belegt. Es ist sinnvoll, beide Erkrankungen gleichzeitig zu behandeln und dafür abgestimmte Behandlungskonzepte zu entwickeln. Entscheidend sind dabei auch eine klare, empathische, traumasensible, therapeutische Haltung und eine mit der KlientIn abgestimmte Zielorientierung in der Therapie. Therapie ist Hilfe zur Selbsthilfe und somit ist es auch ein Ziel, dass die KlientIn Expertin beider Störungen wird.

Schlüsselwörter: Sucht, Trauma, Epidemiologie, gleichzeitige Behandlung von Sucht und Trauma, therapeutische Haltung

LEBENSQUALITÄT VOR UND NACH STATIONÄRER SUCHTTHERAPIE
Quantitative und qualitative Forschungsergebnisse im Vergleich

SILVIA LÄNGLE & ASTRID GÖRTZ

In den letzten Jahren wurden einige Einzelfälle von stationären Therapieverläufen des Suchtkrankenhaus Carina in Feldkirch näher beforscht. Einerseits wurden Interviews mit den Patienten am Beginn und am Ende des Therapieaufenthalts durchgeführt und phänomenologisch ausgewertet. Andererseits wurden mit diversen Fragebögen (prä/post treatment) klinisch relevante Parameter gemessen. Eine Gegenüberstellung dieser Methoden anhand von drei Einzelfällen zeigt neben den interessanten Erkenntnissen über die Therapie-Wirkungen bei Suchtpatienten auch die Möglichkeiten und Grenzen unterschiedlicher Zugänge innerhalb der Psychotherapieforschung auf.

Schlüsselwörter: Quantitative Forschung, Qualitative Forschung, Phänomenologisch-hermeneutische Forschung, Prä/Post-Evaluation, (stationäre) Suchttherapie, Lebensqualität, empirische Untersuchung

METHODE ZUR PRAXIS HERMENEUTISCH-PHÄNOMENOLOGISCHER FORSCHUNG

SILVIA LÄNGLE

Qualitative Forschung ist ein genuines Anliegen der Existenzanalyse aufgrund ihrer Zentrierung um Person und essenzielle Lebensinhalte (Sinn). Neben einer kurzen Beschreibung der Basics dieser Forschung wird im Besonderen eine hermeneutisch orientierte Vorgehensweise aufgezeigt, mit der die Interview-Antworten sich als sinnvolle Lebensäußerung verstehen lassen. Die hier vorliegende Anleitung für Hermeneutisch-Phänomenologische Forschung orientiert sich an den klassischen philosophischen Schritten der Epoché in der Phänomenologie. Diese werden jeweils in Etappen eines psychischen Prozesses übersetzt. Dabei obliegt es dem Forscher nicht nur Vor-Wissen zurück zu stellen, sondern auch affektive Interpretationen und erfahrungsbezogene Interpretationen, um eine Phänomenologische Schau zu erreichen und das Wesentliche in der Aussage zur Darstellung zu bringen.

Schlüsselwörter: Hermeneutisch-Phänomenologische Forschung, qualitative Forschung, Phänomenologie, phänomenologische Methode

INNERE LEERE UND SUCHT

ELSBETH KOHLER, JOHANNES RAUCH

Innere Leere steht im Zusammenhang mit Selbstbejahung und dem Bezug zur eigenen Person. Die innere Leere kann sehr schmerzlich empfunden werden. Suchtmittel und Suchtverhalten können diesen Schmerz lindern oder davon ablenken. Suchtmittel können jedoch auch einen besseren Zugang zu sich selber bewirken, wenn beispielsweise Angst oder Aggression reguliert wird und dadurch die Person freier wird. In der Abhängigkeit wird die innere Leere jedoch verstärkt, da durch das Scheitern in Beziehungen, am Arbeitsplatz etc. die eigene Selbstentwertung und Selbstentfremdung verstärkt wird. Die Arbeit an einer positiven Beziehungsaufnahme zu sich selbst und die Behandlung der Sucht geschehen parallel.

Schlüsselwörter: Innere Leere, Selbstentfremdung, Sucht

„WENN ALLES ÜBERSTANDEN IST, IST NOCH LANGE NICHT ALLES VORBEI“
Psychotherapie mit erwachsenen Kindern von alkoholkranken Eltern

INGO ZIRKS

Zur Einführung werden zwei Fallvignetten vorgestellt. Dann werden typische Kennzeichen einer Familie, in der es mindestens ein suchtmittelabhängiges Elternteil gibt, beschrieben und an Hand des existenzanalytischen Strukturmodells der Grundmotivationen nach Längle die aus existenzanalytischer Sicht nur teilweise gelungene Entwicklung des Grund- und Selbstwertes und die sich daraus ergebenden Probleme dargestellt. Zuletzt werden zentrale Aspekte der Psychotherapie mit erwachsenen Kindern von alkoholabhängigen Eltern an einem der Fallvignetten vertiefend beleuchtet.

Schlüsselwörter: Sucht, Entwicklungspsychologie, Familienangehörige, Kinder, Spätfolgen

EXISTENZANALYTISCHE THERAPIE VON ANOREXIE UND BULIMIE

HELENE DREXLER

Zentral für den therapeutischen Ansatz ist das Verständnis der Anorexie und der Bulimie als komplexe Erkrankungen auf körperlicher, psychischer, kognitiver und sozialer Ebene. Daraus ergibt sich die Notwendigkeit die Behandlung all dieser Bereiche in die Therapie zu integrieren. Im vorliegenden Artikel werden die wesentlichen Schritte einer existenzanalytischen Therapie dargestellt. Es werden vorerst Fragen des Settings geklärt und Möglichkeiten der Ressourcenstärkung besprochen, mit dem Ziel den Patientinnen zu einer Stabilität zu verhelfen, die die Aufarbeitung ihrer tiefgreifenden Problematik erlaubt.

Den Schwerpunkt der Erörterungen bilden die Bearbeitung der Defizite – in Wahrnehmung, emotionalem Erleben, Beziehungsgestaltung, Selbstwert, Denken und Einstellungen – sowie die Aufarbeitung von Verletzungen und Traumatisierungen in der Biografie.

Schlüsselwörter: Anorexie, Bulimie, Essstörung, Sucht, PEA, Inneres Kind

ADAM, WO BIST DU? EVA WAS TUST DU?
Das Suchtpotential des romantischen Beziehungsideals und seine Auswirkungen auf Beziehungsgestaltung und Partnerschaft

SUSANNE POINTNER

Im Fokus dieses Artikels stehen Abhängigkeit und Isolation in Paarbeziehungen. Das Aufeinander-angewiesen-Sein sowie die latente Verstrickung, die (Paar-)beziehungen generell innewohnt, soll zunächst über eine freie Interpretation der altorientalischen Erzählung von Adam und Eva bildhaft umrissen werden. Eine subjektive und moderne Sichtweise des Bildes wirft einen kurzen, akzentuierten Spot auf männliche und weibliche Grundmuster. In der Folge werden soziokulturelle Einflussfaktoren auf das psychodynamische Zusammenspiel von Paaren skizziert. Anregungen zur engagierten Gelassenheit geben einen Ausblick auf die Möglichkeit der Verbundenheit des Paares unter Wahrung von Authentizität und Autonomie.

Schlüsselwörter: Beziehungssucht, Paar, Partnerschaft, Begegnung, Liebe

SEXUALITÄT UND INTERNET

SUSANNE ADAMEK

Das Internet ist heute nicht mehr wegzudenken und Sexualität und Pornographie sind fester Bestandteil von Suchanfragen. Mehr als 30% des Datenverkehrs weltweit sind pornographisch. Dieses Phänomen verändert die Gesellschaft, ihre Vorstellung von Sexualität, Geschlechterrollen und Erotik. Sexualität und Zeitgeist lassen sich nicht trennen. Exzessiver Konsum ist jedoch ein Symptom, das in der psychotherapeutischen Praxis nicht nur angefragt, sondern auch behandelt werden sollte.

Schlüsselwörter: Pornographie, Internet, „sex pour sex“, gesellschaftliche Veränderung – Befreiung und Gefahr

BACKGAMMON UND POKER INSIDE – Aufstieg und Fall eines Berufsspielers

GERHARD SCHIESSER

Was macht den Unterschied zwischen einem Berufs- und einem Amateurspieler?

Was genau macht einen Berufsspieler aus? Was sind die Gefahren in eine Spielabhängigkeit zu verfallen? Und wie sind die Gefahren beim Online-Spiel?

Schlüsselwörter: Berufsspieler, Spielabhängigkeit

VERBUNDEN UND DOCH GETRENNT

CHRISTIAN GUTSCHI

Die exzessive Nutzung von Socialmedia-Anwendungen im Sinne einer psychisch krankmachenden Abhängigkeit und deren Folgen ist wenig untersucht und im schnell wechselnden Mediennutzungsverhalten von Jugendlichen schwer zu fassen. Über die Auswirkungen der virtuellen sozialen Interaktion auf reales Verhalten und die soziale wie emotionale Persönlichkeitsentwicklung von Jugendlichen sind sich Experten uneinig. Der Artikel beschreibt jene Faktoren, welche insbesondere Jugendliche an Socialmedia faszinieren, Kriterien, ab wann eine Person als abhängig eingestuft werden kann, und welche Hintergründe Suchtverhalten begünstigen. Das positive Entwicklungspotential von Socialmedia wird beschrieben und Ideen für die Behandlung dargestellt.

Schlüsselwörter: Internetabhängigkeit, Socialmedia, Sucht, Jugendliche addiction, socialmedia, adolescent

EXISTENZIELLE PÄDAGOGIK
Einführung und Standortbestimmung

KERSTIN BRECKNER

Was hat eine Psychotherapierichtung mit Pädagogik zu tun? Welche Aspekte der Logotherapie können im Erziehungs- und Bildungskontext zum Einsatz kommen? Wie kann Existenzanalyse im pädagogischen Feld eingesetzt werden? Eine Arbeitsgruppe innerhalb der Gesellschaft für Logotherapie und Existenzanalyse setzt sich in Anbindung an die neuere Existenzanalyse mit dieser Thematik auseinander. Nachdem die pädagogische Ausrichtung lange Zeit in der „Personalen Pädagogik“ gesehen wurde, findet sie nun in einer Weiterentwicklung zur „Existenziellen Pädagogik“ ihren Ausdruck. Im vorliegenden Artikel werden die bisherigen Entwicklungen und das aktuelle Konzept vorgestellt.

Schlüsselwörter: Existenzielle Pädagogik, phänomenologische Haltung, personale Begegnung, (Erziehungs-) Ziele, Entwicklung, Entfaltung

MIT ACHTSAMKEIT DER SUCHT BEGEGNEN.
Workshop zum Thema „Achtsamkeitsbasierte Rückfallprävention“

KARIN CANAZEI

Menschen, die an einer Abhängigkeitserkrankung leiden, verstricken sich in einen unheilvollen Suchtkreislauf, in dem sie ihre innere Freiheit verlieren. Sucht ist gekennzeichnet durch Flucht aus dem aktuellen, nüchternen Zustand. Das „Hier und Jetzt“ wird abgelehnt. Achtsamkeit kann helfen, dem Sucht- bzw. Fluchtdruck standzuhalten, da zu bleiben, ihn zu akzeptieren und sich dem als unangenehm Empfundenen zuzuwenden. So kann Achtsamkeit zu einer Sensibilisierung der Auslöser für Rückfälle und die darin beinhalteten Denk- und Fühlmuster führen, alternative Handlungsmöglichkeiten können erkannt werden.

In diesem Artikel wird der Frage nachgegangen, inwieweit Achtsamkeit eine Rückgewinnung der in der Sucht verlorenen inneren Freiheit ermöglicht. Im Speziellen wird die Wirksamkeit der Achtsamkeit in Hinblick auf die Grundmotivationen beleuchtet. Es werden Elemente aus dem MBRP-Programm („Mindfullness-Based Relapse Prevention“) nach Sarah W. Bowen, Neha Chawla und G. Alan Marlatt (2012) vorgestellt und deren Anwendungsmöglichkeiten am Beispiel eines psychotherapeutisch begleiteten Wohn- und Arbeitsprojekts für suchterfahrene Menschen dargestellt.

Schlüsselwörter: Sucht, Achtsamkeit, Selbstdistanzierungsfähigkeit, innerer Beobachter, innere Freiheit, Selbstmitgefühl

OPIOID DRUG ADDICTION AND THE FUNDAMENTAL EXISTENTIAL MOTIVATIONS

EKATERINA EVSTIGNEEVA

This article describes how an opioid-addicted person experiences existential reality on the ontological, axiological, ethical, and context (praxiological) levels of existence. My hypothesis is that in failing to manage their being at each of the four existential levels, the opioid-addicted person, “builds” an alternative “drug world” in which they carry out a ‘pseudo fulfilment’ of their fundamental aspirations and find “meaning”.

Keywords: Fundamental Motivations, Drug Addiction Experience, ‘Drug World’.

ADDICTION AND MEANING

BRUCE MUIR

Human beings are beings of meaning; we seek meaning in our lives and for our lives. Existential theory and practice proposes that we are beings faced with the responsibility of making free choices, choices designed to support each of us to live an authentic life in relationship with self and other. Those suffering in a life of addiction cannot experience life authentically, and suffer from a loss of meaning. Existential Analysis offers specific treatment methods designed to help individuals, through the activation of will, to be released from the bonds of addiction, so that they can live meaningful lives freely, responsibly and authentically. Two such methods include: the Meaning Searching Method, and the Horizon of Life Problem Method. The case study offered here demonstrates these methods in practice.

Key words: Addiction, case study, meaning, methods, will

SUCHT UND SINN

Der Mensch ist ein Wesen des Sinns, wir suchen Sinn in und für unser Leben. Die Existentielle Theorie und Praxis stellt es in den Raum, dass wir Wesen sind, die mit der Verantwortung konfrontiert sind freie Entscheidungen zu treffen, Entscheidungen welche dafür konzipiert sind uns dabei zu helfen ein authentisches Leben in Beziehung mit dem Selbst und den Anderen zu führen. Jene hingegen, welche an einer Sucht leiden, können Authentizität nicht erleben und erleiden einen Sinnverlust. Die Existenzanalyse bietet spezifische Behandlungsmethoden an um Individuen zu helfen, durch die Aktivierung des Willens, sich der Ketten der Sucht zu entledigen um ein sinnvolles Leben in Freiheit, Verantwortung und Authentizität leben zu können. Zwei solche Methoden sind: Die Sinnerfassungsmethode und die Methode des Lebenshorizontes. Das hier angeführte Fallbeispiel veranschaulicht diese Methoden in der Praxis.

Schlüsselwörter: Sucht, Fallbeispiel, Sinn, Wille

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